If life gives you sour lemon curd and sweet Swiss meringue buttercream, make a Semi Naked Cake with it

Immer wieder werde ich gefragt, wie denn genau meine Rezepte, die ich am Blog veröffentliche, entstehen, ob ich die denn selbst „erfinde“, wie oft ich probebacke, bevor etwas veröffentlicht wird, ob alles auf den Blog kommt, was ich backe, ob ich meine Fotos selber mache und ob mit professionellem Equipment, wer denn diesen ganzen Süßkram am Ende isst, wann ich meine Beiträge schreibe und so weiter und so fort. Damit ich in Zukunft ganz genau weiß, wer meine Blogbeiträge auch wirklich liest (und demnach nicht mehr nachfragen muss), gebe ich euch in diesem ein bisschen Auskunft über die Entstehung von diesem Rezept und Blogbeitrag.

Wie entstand die „Idee“ zu dieser Torte? Semi Naked Cakes, also Torten, die nicht mit Fondant ummantelt und bei denen der Boden durchscheint, sind ja schon in den letzten Jahren ein großer Trend in der Tortenwelt, ich bin nicht zuletzt Fan von ihnen, weil sie den Nervenkitzel entbehren, den jede Fondanttorte für mich bedeutet, schön schlicht sind und so die Deko darauf mehr wirken kann (seit meiner Hochzeit bin ich noch mehr Blumenfan, nicht nur als Tortendeko) und weil sie geschmacklich für mich die perfekte Balance zwischen Boden und Cremehülle bedeuten. Fondanttorten sind zwar hübsch, aber das Fondant mögen viele nicht und selbst mir ist es zu süß (und das will was heißen).Bei Semi Naked (oder Naked Cakes, bei denen die Tortenböden komplett sichtbar und Creme nur zwischen ihnen ist) kommen geschmacklich Boden und Füllung/Creme voll zur Geltung – für mich perfekt. So ein Semi Naked Cake musste also auf meinen Blog und nachdem ich auf einer Bloggerveranstaltung wieder an den herrlich süß-säuerlichen Geschmack von Lemon Curd erinnert wurde, die Royal Wedding ansteht, die meine Affinität für alles Britische (Lemon Curd ist in England ein wahnsinnig beliebter Brotaufstrich) wieder aufleben lässt und ich nach mehreren Testläufen mit meiner Swiss Meringue Buttercreme so richtig glücklich war, war die Idee für diese Torte geboren. Die Kombination aus schlichtem (aber gelingsicheren und einfachen) Biskuit, dem süß-säuerlichen Lemon Curd und der süßen, so hübsch samtig aussehenden, aber nicht so gallig wie normalen Buttercreme, Swiss Meringue Buttercreme, hat alle Testesser zufriedengestellt und insbesondere bei meinem eigenen Geschmackstest überzeugt – somit war die Idee für diese Torte geboren.

Habe ich das Rezept selbst „erfunden“? Nein, ich bin weder Konditorin noch Bäckerin und Backen ohne Rezept würde mir, bei allem, was über einen einfachen Brownie oder Rührkuchen hinausgeht, garantiert nicht gelingen. Ich backe ja auch nur mit Butter und Zucker ( :-) und Backen ist im Gegensatz zu Kochen oft eine eigentlich höchst chemische Angelegenheit, sich an ein völlig neues Rezept wagen, würde weiß Gott wie viele Testläufe benötigen, für die ich leider als Mama eines Kleinkindes mit äußerst geringem Schlafbedarf keine Zeit habe. Wie komme ich also zu meinen Rezepten? Vieles adaptiere und kombiniere ich aus Backbüchern, Blogs, Zeitschriften, Internetseiten und Familienrezepten – gebe aber immer, so gut/weit ich es kann, an, was meine Quelle ist. In diesem Fall ist das Tortenbodenrezept aus einem meiner letzten Backbucheinkäufe, die Buttercreme eine Mischung aus mehreren Internetrezepten und die Kombination aus Boden, Füllung und Creme entspricht meiner persönlichen Vorliebe.

Wie oft wurde das Rezept „probegebacken“? Sowohl Creme als auch Böden habe ich zweimal genauso komplikationslos gebacken, da traue ich es mir mit euch zu teilen. Einmal habt ihr die Creme schon bei der Tauftorte für mein Patenkind „gesehen“, einmal habe ich die Böden zum Muttertag für die Omas in Cupcakeförmchen gebacken, mit den Resten des Lemon Curd gefüllt und mit der aufgetauten restlichen Swiss Meringue Buttercreme getoppt.

Wann habe ich die Torte gebacken/gemacht?

Gebacken habe ich die Böden zwei Tage vor Fertigstellung der Torte während eines Mittagsschlafes meiner Tochter.  Die Creme habe ich an einem Feiertag Vormittag begonnen, während die Kleine mit meinem Mann den Keller aufgeräumt und dann mit den Nachbarskindern gespielt hat. Fertiggestellt habe ich sie während ihres Mittagsschlafes an diesem Tag (dazwischen musste ich mich kurz zu ihr legen, damit sie weiterschläft, wir haben ein sehr schlafresistentes Kind), im gleichen Mittagsschlaf habe ich auch auch noch gestapelt und eingestrichen (ich hoffe, ich erinnere mich richtig, wie ihr seht, dauert es oft einige Wochen, bis ein Blogbeitrag fertig ist, besagtes Tortenmachen fand am 1. Mai statt). Die Blumen für die Deko habe ich beim Laufen im Donaupark am Nachmittag des 1. Mai gepflückt, im eigenen Garten abgeschnitten (die Dahlie steht am Terrassentisch, der Eukalyptus ist ebenfalls auf der Terrasse eingezogen) bzw. am 2. Mai beim Floristen besorgt. Zum Dekorieren durfte Ilvie an diesem Tag 10 min „Conny“ schauen (ich Ravenmother!), fotografiert habe ich sie (wie immer mit dem professionellen Equipment meines Mannes, mit dem ich nur Food Fotos machen kann, nachdem er mir schon in vielen kurzen Sessions versucht hat, mir Fotografieren beizubringen) während Ilvies Mittagschlaf an diesem Tag in unserem Badezimmer, weil die Stelle in unserer Einfahrt, wo ich eigentlich fotografieren wollte, zu diesem Zeitpunkt zu sonnig gewesen wäre. Zwischen den Fotos der ganzen Torte und den Fotos der Tortenstücke lag wieder eine fünfminütige Kuscheleinheit, damit der Mittagsschlaf nicht schon nach 30 Minuten beendet wurde. Warum das Badezimmer? Weil unsere Betonputz-Wände so einen schönen Hintergrund liefern und das Licht von der Seite gut war. Die Props (Fotoutensilien) sind ein Konglomerat aus meinem Lieblingsgeschirr, Funden im Familienarchiv, einer Stoffwindel aus der Neugeborenenzeit mit Ilvie, einem Tischtuch vom schwedischen Möbelhaus, das auf Ilvies Duplo-Tisch liegt und der Verpackung eines Panettone aus der Weihnachtszeit.

Die Fotos auf den Computer übertragen, grob aussortiert und Favoriten ausgesucht habe ich an einem der nächsten Tage abends, nachdem Ilvie im Bett war. Rezept und diesen Beitrag schreibe ich teils an weiteren Abenden, teils während ich auf meine lang herbeigesehnte Augenlaser-OP warte. Die Fotos bearbeite ich gemeinsam mit meinem Mann (okay, vielleicht bearbeitet er und ich sehe zu und versuche zu lernen), füge sie dann in den Beitrag ein und plane den Beitrag für den darauffolgenden Samstag, weil die meisten Leser am Wochenende mehr Zeit zum Lesen und „Backplanen“ haben als unter der Woche.

Und wer hat die Torte nun am Ende gegessen?

Das erste Stück haben sich ich und Ilvie auf der Hausbank geteilt (sie gibt sich „noch“ mit dem puren Biskuit zufrieden), 3 weitere habe ich zu einem Playdate mit einer Freundin und deren Tochter mitgenommen, 3 weitere zum Playdate mit einem Kollegen und seiner Tochter, das letzte habe ich gemeinsam mit meinem Mann zum Frühstück verspeist.

Und wann kriegt ihr jetzt endlich das Rezept? Jetzt! Sofort! Hier bitte, mit den wärmsten Empfehlungen von einem Mädchen, das gerne backt und dessen Herz jedes Mal ein großes bisschen höher schlägt, wenn „seine“ Rezepte, die es im Internet teilt, nachgebacken werden.

Was braucht ihr für einen Semi Naked Cake mit Lemon Curd und Swiss Meringue Buttercream?

Für die Tortenböden (Biskuitrezept von Silvia Fischer aus ihrem Buch „Echte Kuchenliebe“, leicht abgewandelt)

6 Eidotter

6 EL heißes Wasser

2 EL Vanillepaste

Abrieb einer halben unbehandelten Zitrone

100g Kristallzucker

6 Eiweiß

1 Prise Salz

200g Kristallzucker

240g Weizenmehl

Für die Füllung

1 Glas Lemon Curd (in meinem Fall fertig gekauft, im Marmeladenregal zu finden z.B. von Chivers) – selber machen ist aber auch keine Hexerei, und man könnte die Dotter, die beim Swiss Meringue Buttercreammachen übrigbleiben, verwenden)

Für die Swiss Meringue Buttercream (als Füllung und Ummantelung)

5 Eiweiß

1 Prise Salz

220g feiner Kristallzucker

300g Butter (Zimmertemperatur)

Wie wird daraus ein Semi Naked Cake mit Lemon Curd und Swiss Meringue Buttercream?

Für die Biskuitböden 6 Eidotter mit 6 EL heißem Wasser, 100g Kristallzucker, 2 EL Vanillepaste und dem Abrieb einer halben unbehandelten Zitrone schaumig rühren (5-10 Minuten). 6 Eiweiß mit einer Prise Salz und 200g Kristallzucker zu einem cremigen Schnee schlagen. Den Eischnee unter die Dottermasse heben und abschließend das Mehl unterrühren. 2 15cm Springformen mit Backpapier auslegen und mit jeweils der Hälfte des Biskuits befüllen. Im auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorgeheizten Backrohr auf dem Rost nebeneinander ca. 40-45min backen (Stäbchenprobe machen, sollten die Boden oben schon braun werden und innen noch nicht durchgebacken, dann mit Alufolie abdecken während sie fertigbacken).  Ausgekühlt aus der Form lösen und jeweils einmal durchschneiden. Falls sich beim Backen oben eine Kuppel gebildet haben sollte, diese ebenfalls abschneiden und die Reste mit Genuss verspeisen. Die Tortenböden bis zum Stapeln in Frischhaltefolie wickeln (ich habe meine schon 1-2 Tage vorher gemacht)

Für die Swiss Meringue Buttercream 5  Eiweiße, 1 Prise Salz und 220g feinen Kristallzucker in eine Schüssel geben und ohne dass die Schüssel das Wasser berührt, über dem kochenden Wasserbad auf mindestens 60 Grad erwärmen (dabei wird das Eiweiß pasteurisiert, aber gerinnt nicht, am besten mit einem Thermometer messen, wer keinen hat, erwärmt und rührt solange, bis der Zucker sich aufgelöst hat und sich das Eiweiß heiß anfühlt) und  dabei immer kräftig umrühren, sodass sich der Kristallzucker auflöst (aufgelöst bedeutet, dass ihr ihn, wenn ihr das Eiweiß zwischen zwei Fingern reibt, nicht mehr spürt). Sind die 60 Grad erreicht, die Schüssel vom Wasserbad nehmen und das Eiweiß zu einem steifen Schnee aufschlagen und weiterschlagen, bis sich die Schüssel kalt anfühlt (mindestens 10 Minuten). Alternativ kann man den sehr steifen Schnee auch für einige Zeit in den Kühlschrank stellen (so mache ich es immer) oder in ein kaltes Wasserbad, bevor man mit der Butterzugabe beginnt. Butter und Schnee sollen die gleiche Temperatur haben, dann verbinden sie sich am besten.

Anschließend unter ständigem Rühren (am besten mit einer Küchenmaschine) kleine Butterstücke zum Eischnee werfen, bis die ganzen 300g Butter aufgebracht sind. Die Creme nimmt dabei mitunter verschiedenste Konsistenzen an, wenn sich die Temperaturen der beiden Komponenten angeglichen haben, entsteht aber eine super seidige Konsistenz der Creme. Wird sie gar nicht glatt, kann man sie für ein paar Sekunden in der Mikrowelle erwärmen und dann weiterrühren. Bleibt die Creme trotz langem Rühren zu weich und luftig, kann man sie nochmal in den Kühlschrank stellen und dann weiterrühren. (Reste der Buttercreme lassen sich ganz super einfrieren, einfach bis auf Zimmertemperatur auftauen lassen und noch einmal schlagen und z.B. auf Cupcakes aufdressieren)

Die Hälfte der Buttercreme in einen Spritzbeutel füllen und die Spitze abschneiden. Dann einen Tortenboden mit etwas Buttercreme auf einem Servierteller „festkleben“, in der Mitte 3-4 Esslöffel Lemoncurd verstreichen und außen herum einen Ring aus Buttercreme dressieren (sodass das Lemon Curd nicht auslaufen kann, wenn man von oben Druck auf die Böden ausübt, um sie in der Waage zu halten). Mit den restlichen Tortenböden genauso weitermachen. Am Ende am besten eine Wasserwaage auf den obersten Tortenboden legen und die Torte mit sanftem Druck in die Waage bringen. Anschließend die Torte im Optimalfall für 15 Minuten tiefkühlen, damit sie beim Einstreichen mit der Creme außen fest bleibt. Dann am besten auf einen Drehteller oder eine drehbare Unterlage stellen, viel Buttercreme außen drauf verteilen und anschließend am besten mit einem großen Geodreieck (der rechte Winkel erleichtert das glattstreichen ungemein) immer wieder abziehen, bis die Tortenböden durchscheinen. Je nach Geschmack, kann man mehr oder weniger Buttercreme „stehen“ lassen. Anschließend oben noch Creme auftragen und verstreichen. Wenn ein unschöner Rand entlang der Kante oben stehen bleibt, kann man die Torte nochmal einfrieren und den Rand dann einfach wegbrechen. Ich habe meinen nur ein bisschen von außen nach innen verstrichen. Nach Belieben mit Blumen/Caketoppern/Macarons/Baisers etc. verzieren. Anschauen – genießen – verspeisen.

Alles Liebe, 

eure Melanie

 

2 Comments
  • Schürzenfräulein
    Juni 15, 2018

    Hallo!
    Ganz toller Beitrag. Bei mir braucht es auch immer mehrere Tage bis ein kompletter Post fertig ist. Als Mama hat man nicht immer so viel Zeit. Deine Fotos sind toll!
    Liebe Grüße Kerstin

    • melanie
      Juni 15, 2018

      Vielen lieben Dank für deine Worte! alles liebe,melanie

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